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15.07.2000
 
Newsletter Nr.4
 
  1. Adenomyose und Endometriose: kein prinzipieller Unterschied.
  2. Kinderwunsch bei Endometriose: hormonale Behandlung.
  3. Hohe Rate von Fehlgeburten im IVF-Programm bei Gabe von rekombinantem FSH bei starker Suppression von LH
  4. Assisted Hatching: Was ist daran?

Adenomyose und Endometriose: kein prinzipieller Unterschied.

Die Theorie von Sampson, wonach die Bauchfellendometriose und die Endometriose der Eierst√∂cke durch Transplantation von Endometrium mittels retrograder Menstruation entst√ľnde, hat dazu gef√ľhrt, da√ü der Begriff Endometriose auf Herde ektopen Endometriums au√üerhalb der Geb√§rmutter und der Begriff der Adenomyose auf Herde innerhalb des Uterus beschr√§nkt wurde. Adenomyose und Endometriose wurden zunehmend als unterschiedliche Erkrankungen mit unterschiedlicher Pathogenese aufgefa√üt. Auch die gewebliche Zusammensetzung der Herde wurde als unterschiedlich beschrieben. So gilt die Endometriose als rein dr√ľsige L√§sion mit begleitendem Stroma, w√§hrend das Charakteristikum der Adenomyose die zus√§tzliche mehr oder weniger ausgepr√§gte Bildung von glatten Muskelfasern sei. Aber auch au√üerhalb der Geb√§rmutter tritt Adenomyose auf, die dann als "tief infiltrierende" Endometriose bezeichnet wird. Solche Herde finden sich vorzugsweise an den Sacrouterinb√§ndern, am Darm und retrozervikal. Neulich wurde die Auffassung vertreten, da√ü sich eine oberfl√§chliche Endometriose nicht in eine tief infiltrierende Endometriose entwickeln k√∂nne, da beide eine unterschiedliche Pathogenese h√§tten. Die tief infiltrierende Endometriose leite sich als Adenomyose vom basalen Endometrium ab, w√§hrend die oberfl√§chliche Endometriose auf der Aussaat von Endometrium der Zona functionalis, also des oberfl√§chlichen, mit der Menstruation abgestossenen Endometriums beruhe. Zur oberfl√§chlichen Endometriose w√ľrde auch die ovarielle Endometriose z√§hlen. Die Endometriose ovarieller Endometriome sei keine tiefe Infiltration, sondern lediglich die Folge einer Einst√ľlpung oberfl√§chlicher Endometrioseherde. Neuere immunzytochemische Untersuchungen mit monoclonalen Antik√∂rpern gegen Actin zur Darstellung glatter Muskelfasern konnten zeigen, da√ü nicht nur tief infiltrierende Endometrioseherde, sondern auch die oberfl√§chliche peritoneale Endometriose und ovarielle Endometrioseherde glatte Muskulatur aufweist. Eine Unterscheidung von Endometriose und Adenomyose auf der Basis der Gewebezusammensetzung ist daher nicht gerechtfertigt. Diese Erkenntnisse sind eine weiterer Hinweis daf√ľr, da√ü Endometriose und Adenomyose eine pathogenetische Einheit bilden.

Literatur

Brosens IA, Brosens JJ (2000) Is deep endometriosis a progressive disease? Hum. Reprod. 15: 1-3

Anaf V, Simon Ph, Fayt I, Noel J-C (2000) Smooth muscles are frequent components of endometriotic lesions. Hum. Reprod. 15: 767-771

Kunz G, Beil D, Huppert P, Leyendecker G (2000) Structural abnormalities of the uterine wall in women with endometriosis and infertility visualised by vaginal sonography and magnetic resonance imaging. Hum. Reprod. 15: 76-82

Leyendecker G (2000) Endometriosis is an entity with extreme pleiomorphism. Hum Reprod. 15: 4-7

Kinderwunsch bei Endometriose: hormonale Behandlung

Nach Auffassung der ESHRE Capri Workshop Group liegen gen√ľgend Daten vor, die darauf hinweisen, da√ü im Hinblick auf eine Sterilit√§tsbehandlung durchgef√ľhrte ovarielle Suppression durch hormonale Medikamente der Patientin nichts nutzt. Sie verz√∂gert lediglich eine m√∂gliche Konzeption durch einfach abwartendes Verhalten oder durch alternative Therapien wie die Assistierte Reproduktion. Im Lichte dieses Szenarios sollten hormonale Medikamente, entweder alleine oder zusammen mit operativer Behandlung einer Endometriose, nicht mehr zur Erh√∂hung der Konzeptionswahrscheinlichkeit bei Frauen mit Kinderwunsch verschrieben werden.

Literatur

The ESHRE Capri Workshop Group (2000) Optimal use of infertility diagnostic tests and treatments. Hum. Reprod. 15: 723-732

Hohe Rate von Fehlgeburten im IVF-Programm bei Gabe von rekombinantem FSH bei starker Suppression von LH

Die hypophys√§re Downregulation mit GnRH im langen Protokoll f√ľhrt zu einer starken Erniedrigung der Gonadotropinspiegel im Blut. Bei der ovariellen Stimulation mit rekombinantem FSH bleiben im Gegesatz zur Gabe von HMG-Pr√§paraten die LH-Spiegel auf einem niedrigen Niveau, welches allerdings individuell unterschiedlich sein kann. Westergaard und Mitarbeiter haben 200 konsekutive IVF/ICSI-Zyklen retrospektiv analysiert. LH-Werte am 8. Tag der FSH-Zufuhr (S8) von <0,5IU/l galten als niedrig, w√§hren LH-Werte dar√ľber als ‚Äönormal‚Äė angesehen wurden. Jeweils etwa die H√§lfte der Patientinnen fiel in eine der beiden Kategorien. Vor und w√§hrend der Stimulation unterschieden sich die beiden Gruppen nicht mit Ausnahme der √Ėstradiolspiegel im Blut, die in der Gruppe mit niedrigem LH an S8 signifikant niedriger waren (P<0.001). Bei vergleichbarer Schwangerschaftsrate in H√∂he von 30-34% in beiden Gruppen pro begonnenem Zyklus unterschied sich die Fehlgeburtenrate signifikant mit einem f√ľnffach h√∂heren Risiko der Fehlgeburt in der Gruppe mit niedrigem LH (45% versus 9%).

Literatur

Westergaard LG, Laursen SB, Andersen CY (2000) Increased risk of early pregnacy loss by profound suppression of luteinizing hormone during ovarian stimulation in normogonadotropic women undergoing assisted reproduction. Hum. Reprod. 15: 1003-1008

Assisted Hatching: Was ist daran?

Der Nutzen von Assisted Zona Hatching (AZH) im Hinblick auf die Erh√∂hung der Schwangerschaftsrate bei √§lteren Patientinnen wird kontrovers diskutiert. Mansour und Mitarbeiter haben unmittelbar vor dem Transfer chemisch die gesamte Zona pellucida beseitigt. Bei einer Gruppe j√ľngerer Patientinnen f√ľhrte der Transfer Zona-freier (ZF) Embryonen zu keiner Erh√∂hung der Schwangerschaftsrate gegen√ľber Transfer Zona-intakter (ZI) Embryonen. Die Aufl√∂sung der Zona pellucida hatte auch keinen negativen Effekt wie z.B. die Erh√∂hung der Rate monozygoter Zwillinge. Bei √§lteren Frauen (>40 Jahre) f√ľhrte der Transfer von ZF-Embryonen zu einer deutlichen Erh√∂hung der Schwangerschaftsrate. Die Zahl der F√§lle ist noch gering, aber auf Grund der Einfachheit der Methode lassen sich bald gr√∂√üere Zahlen erarbeiten, um die Methode entg√ľltig beurteilen zu k√∂nnen.

Literatur

Mansour RT, Rhodes CA, Aboulgar MA, Serour GI, Kamal A (2000) Transfer of zona-free embryos improves outcome in poor prognosis patients: a prospective randomized controlled study. Hum. Reprod. 15: 1061-1064

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Gerhard Leyendecker