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04.12.2008
 
Newsletter Nr. 6/2008
 
  1. Rauchen während der Schwangerschaft und Samendefekt bei den Söhnen
  2. Pestizideinfluss in der Schwangerschaft auf die Hodenentwicklung.
  3. Assistierte Reproduktion und Missbildungen bei den Neugeborenen in den Vereinigten Staaten.
  4. Habituelle Aborte und Spermaparameter

1. Rauchen während der Schwangerschaft und Samendefekt bei den Söhnen

Das Rauchen während der Schwangerschaft erhöht die Wahrscheinlichkeit von Kryptorchismus und Hypospadien und reduziert die Hodengröße und die Zeugungsfähigkeit der geborenen Söhne. Der Mechanismus ist unbekannt. Die Autoren stellten umfangreiche Untersuchungen an abortierten männlichen Föten von rauchenden und nicht rauchenden Frauen an. Als einzige aber wohl offenbar entscheidende Veränderung bei den männlichen Föten von Raucherinnen fanden die Autoren eine reduzierte Aktivität des Desert Hedgehog (DHH) Gens.

Kommentar von Ferticonsult:
DHH geh√∂rt zur Familie der sog. Hedgehog Gene, die erstmalig von der Heidelberger Forscherin S. N√ľsslein-Volhard beschrieben wurden und wof√ľr sie 1995 den Nobelpreis erhielt. Es handelt sich um Strukturgene, die den intakten K√∂rperaufbau regeln. Am bekanntesten sind die Hom√∂obox Gene (HOX Gene). Das DHH ist spezifisch f√ľr die Sertoli-Zelle des Hodens.

Prof. Dr. G. Leyendecker

Literatur

Fowler PA, Cassie S, Rhind SM, Brewer MJ, Collinson JM, Lea RG, Baker PJ, Bhattacharya S, OShaughnessy PJ. Maternal smoking during pregnancy specifically reduces human fetal desert hedgehog gene expression during testis development. J Clin Endocrinol Metab. 2008 Feb;93(2):619-26.

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2. Pestizideinfluss in der Schwangerschaft auf die Hodenentwicklung.

Mit dem Insektizid Dieldrin, einem endokrinen Disruptor, wurden Inkubationsversuche mit fetalem Hodengewebe durchgef√ľhrt. Die Ergebnisse zeigen am Beispiel von Dieldrin, dass die Exposition gegen√ľber sehr niedrigen, biologisch relevanten Konzentrationen von Umweltgiften zu subtilen Ver√§nderungen der Hodenfunktion mit Einschr√§nkung der Zeugungsf√§higkeit f√ľhren kann.

Literatur

Fowler PA, Abramovich DR, Haites NE, Cash P, Groome NP, Al-Qahtani A, Murray TJ, Lea RG. Human fetal testis Leydig cell disruption by exposure to the pesticide dieldrin at low concentrations. Hum Reprod. 2007 Nov;22(11):2919-27.

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3. Assistierte Reproduktion und Missbildungen bei den Neugeborenen in den Vereinigten Staaten.

Diese Studie, die im Rahmen der National Birth Defects Prevention Study durchgef√ľhrt wurde, zeigt, dass manche strukturellen Defekte bei Neugeborenen h√§ufiger bei Frauen vorkommen, die sich einem Verfahren der Assistierten Reproduktion (AR: IVF oder ICSI) unterzogen hatten. Es handelte sich hierbei um √Ėsophagus- und Analatresien sowie Defekte der Herzscheidew√§nde. Die st√§rkere H√§ufung konnte nur bei Einlingsschwangerschaften und nicht mehr Mehrlingsgravidit√§ten festgestellt werden. All dies wird sehr sorgf√§ltig im Lichte der bereits vorhandenen Literatur diskutiert ebenso wie die Einschr√§nkungen der Studie. So wurde u.a. nicht eruiert, welche Diagnose im jeweiligen Fall zur Anwendung von AR gef√ľhrt hatte. Die Autoren sehen in den Ergebnissen keine Begr√ľndung gegen AR. Jedoch sollten potentielle Eltern grunds√§tzlich auf die M√∂glichkeit von Fehlbildungen hingewiesen werden.

Kommentar von Ferticonsult:

  1. Es wird an den Bericht √ľber eine erh√∂hte Ovarialkrebsrate bei AR hingewiesen. Die genaue Analyse ergab, dass davon nur Frauen mit einer Endometriose betroffen waren. Inwieweit das Risiko f√ľr ein endometroides Ovarialkarzinom auch ohne AR bei Frauen mit Endometriose erh√∂ht ist, ist nicht bekannt.
  2. Nach ICSI sind h√§ufiger urologische Operationen erforderlich; allerdings nur bei Knaben (z.B. wegen Hypospadie und Kryptorchismus). Hier scheint sich eine ‚Äěgenetische Anlage‚Äú bei manchen wom√∂glich genetisch bedingt subfertilen V√§tern zu vererben.

Prof. Dr. med. G. Leyendecker

Literatur

Reefhuis J, Honein MA, Schieve LA, Correa A, Hobbs CA, Rasmussen SA; and the National Birth Defects Prevention Study. Assisted reproductive technology and major structural birth defects in the United States. Hum Reprod. 2008 Nov 16. [Epub ahead of print]

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4. Habituelle Aborte (HA) und Spermaparameter.

Bei Paaren mit habituellen Aborten wurden verschiedene Spermaparameter mit denen bei nachgewiesen fertilen Paaren verglichen. Erfasst wurden die Standardparameter wie Dichte und Motilit√§t und Funktionstest wie der hypoosmotische Schwelltest, der akrosomale Status und die Chromatin-Dekondensation des Kerns. Bei Frauen mit HA waren die verschiedenen Parameter in einem mehr oder weniger hohen Prozentsatz gegen√ľber der Norm ver√§ndert. Die Daten lassen vermuten, dass es bei reduzierten Spermaparametern wiederholt zu Befruchtungen und auch Implantationen kommen, die Embryonen jedoch ein reduziertes Entwicklungspotential haben und zugrunde gehen. Bei der Abkl√§rung von habituellen Aborten sollten daher auch die Spermaparameter mit einbezogen werden.

Kommentar von Ferticonsult:
In der ‚ÄěGro√üen Brosch√ľre‚Äú von Ferticonsult bzw. des Kinderwunschzentrums Darmstadt wird in Tab. 4 gezeigt, dass bei reduzierter Motilit√§t dennoch im reinen IVF-Verfahren (nicht ICSI) Embryonen entstehen, die nach Transfer nur reduziert oder nicht zu einer Schwangerschaft f√ľhren. Da es sich in der Entwicklungsf√§higkeit von Embryonen um flie√üende √úberg√§nge handelt, k√∂nnen daher infolge reduzierter Spermaparameter durchaus Embryonen entstehen, die noch das Potential zur Implantation aber nicht zur normalen Weiterentwicklung haben.

Prof. Dr. G. Leyendecker

Literatur

Saxena P, Misro MM, Chaki SP, Chopra K, Roy S, Nandan D. Is abnormal sperm function an indicator among couples with recurrent pregnancy loss? Fertil Steril. 2008 Nov;90(5):1854-8.

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Gerhard Leyendecker