GynAktuell  
Das Neueste Inhalt: Themenübersicht Glossar Newsletter Infos (diverse) Impressum

Newsletter

Inhaltsverzeichnis

zurück    weiter

24.05.2009
 
Newsletter Nr. 3/2009
 
  1. Niedrig dosiertes Aspirin in einem IVF/ICSI –Programm ?
  2. Umweltgifte und reduzierte Samenqualität
  3. Embryo-Kryokonservierung: Langsames, kontrolliertes Einfrieren oder ultraschnelle Vitrifikation.
  4. Von der Eizelle zum Baby. Eine klinische Bewertung der „biologischen Effizienz“ der künstlichen Befruchtung

1. Niedrig dosiertes Aspirin in einem IVF/ICSI –Programm?

Diese doppelt-blind, plazebo-kontrollierte Studie zeigt erneut, dass die routinemäßige Gabe von niedrig dosiertem Aspirin in der Assistierten Reproduktion (IVF/ICSI) zu keiner erhöhten Schwangerschaftsrate führt.

Literatur

Dirckx K, Cabri P, Merien A, Galajdova L, Gerris J, Dhont M, De Sutter P. Does low-dose aspirin improve pregnancy rate in IVF/ICSI? A randomized double-blind placebo controlled trial. Hum Reprod. 2009 Apr;24(4):856-60. Epub 2009 Jan 8.

TOP

2. Umweltgifte und reduzierte Samenqualität

Seit Jahrzehnten wird in den Industriestaaten ein Rückgang der Samenqualität beobachtet, und dieser wird auf die Umweltgifte (Polychlorierte Biphenyle; Pflanzenschutzmittel; Weichmacher bei Kunststoff etc.) zurückgeführt. Wie viele andere Studien vorher, unterstützt diese hier vorgelegte diesen vermuteten Zusammenhang.

Literatur

Xia Y, Zhu P, Han Y, Lu C, Wang S, Gu A, Fu G, Zhao R, Song L, Wang X.. Urinary metabolites of polycyclic aromatic hydrocarbons in relation to idiopathic male infertility. Hum Reprod. 2009 May;24(5):1067-74. Epub 2009 Feb 6.

TOP

3. Embryo-Kryokonservierung: Langsames, kontrolliertes Einfrieren oder ultraschnelle Vitrifikation.

Die Vitrifikation ist eine neue Methode zur Kryokonservierung von Embryonen und von Eizellen im Vorkernstadium. Bei der Vitrifikation werden die Zellen in weniger als einer Sekunde auf -196 Grad Celsius abgekühlt: Bei dieser Vitrifikation (wörtlich: „Verglasung“) werden die Zellen weniger geschädigt als durch die konventionelle Kryokonservierung. Nach Auftauen ist der Stoffwechsel weniger gestört und mehr Embryonen erreichen das Blastozystenstadium. In der vorgelegten Studie ließ sich mit der Vitrifikation eine deutlich verbesserte Schwangerschaftsrate erzielen.

Kommentar von Ferticonsult:
Das Kinderwunschzentrum Darmstadt hat die Vitrifikation von Eizellen im Vorkernstadium (PN-Stadium) eingeführt. Die Rate an Blastozysten und die Schwangerschaftsrate im sog. „Kryozyklus“ sind deutlich erhöht.

Prof. Dr. G. Leyendecker

Literatur

Balaban B, Urman B, Ata B, Isiklar A, Larman MG, Hamilton R, Gardner DK. A randomized controlled study of human Day 3 embryo cryopreservation by slow freezing or vitrification: vitrification is associated with higher survival, metabolism and blastocyst formation. Hum Reprod. 2008 Sep;23(9):1976-82. Epub 2008 Jun 10.

TOP

4. Von der Eizelle zum Baby. Eine klinische Bewertung der „biologischen Effizienz“ der künstlichen Befruchtung.

Während üblicherweise Befruchtungs- und Schwangerschaftsrate wichtige Parameter für die Beurteilung von IVF/ICSI-Programmen sind, haben sich in dieser Studie die Autoren die Mühe gemacht, die Lebendgeburtrate (LGR) pro gewonnener Eizelle als Ausdruck der Effizienz ihres IVF/ICSI-Programms zu ermitteln. Im Schnitt führten nur 5% der Eizellen zu einem Kind (6,8% bei Donoreizellen und 1% der Eizellen bei Frauen über 40 Jahren).

Kommentar von Ferticonsult:
Dies ist ohne Zweifel eine interessante Betrachtungsweise und wirft einige Fragen auf. Es ist festzustellen, dass in dieser Studie über alle Altersklassen hinweg bei mehr als 500 Punktionen im Schnitt etwa 13 Eizellen pro Punktion gewonnen wurden. Das ist (zu) viel! Die Autoren kommentieren selbst, dass die Stimulation milder sein sollte und bei weniger Eizellen insgesamt die relative Anzahl „guter Eizellen“ höher wäre. Grundsätzlich ist die Anzahl kompetenter Eizellen in einer Kohorte anstimulierbarer Follikel gering, erkennbar an der reduzierten Anzahl erzielbarer Blastozysten in einem Zyklus. Bei Transfer von einer Blastozyste liegt je nach mikroskopischer Qualität der reifen bzw. expandierten Blastozyste die Schwangerschaftsrate zwischen 30 und 50%. Werden Befruchtungsrate, Blastozystenrate und Schwangerschaftsrate subsummiert, dann dürfte auch bei milder Stimulation die Effizienz „Eizelle versus Baby“ nicht höher als 10% liegen. Aus biologischer und medizinischer Sicht wäre von Interesse zu wissen, ob grundsätzlich in einer Kohorte anstimulierbarer Follikel von vorne herein (d.h. im frühen Antrumstadium) nur einige wenige Eizellen kompetent sind oder ob die später um den 10. Zyklustag atretisch werdenden Eizellen ihre Kompetenz erst, allerdings sehr früh, verlieren. Es müsste in einer Studie überprüft werden, ob mit einem sehr frühen Stimulationsbeginn (frühe Lutealphase, wenn normalerweise das FSH im Blut ansteigt, also etwa 2-3 Tage vor der Menstruation) sich die Anzahl kompetenter Eizellen erhöhen ließe. Dies müsste sie Schwangerschaftsrate in sequenziellen Frisch- und Kryozyklen ansteigen lassen. Bei reduzierter ovarieller Reserve (z.B. AMH-Wert im Blut <1ng/ml) wird im Kinderwunschzentrum Darmstadt die ovarielle Stimulation bereits kurz vor Eintritt der Regelblutung begonnen. Die privaten Krankenversicherungen wollen uns Ärzte aus Kostengründen nötigen, nur maximal sechs Eizellen bei der Punktion zu gewinnen. Die oben referierten Daten zeigen jedoch: jede einzelne Eizell ist wichtig, denn sie könnte die entscheidende sein.

Prof. Dr. G. Leyendecker

Literatur

Patrizio P, Sakkas D. From oocyte to baby: a clinical evaluation of the biological efficiency of in vitro fertilization. Fertil Steril. 2009 Apr;91(4):1061-6. Epub 2008 Mar 5.

TOP

zurück    weiter

Newsletter abonnieren

  Copyright © 1998-2017 by FertiConsult GmbH

Gerhard Leyendecker