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15.11.2000
 
Newsletter Nr.6
 
  1. Wie häufig ist das PCO-Syndrom in der Normalbevölkerung?
  2. Operative Behandlung der Hydrosalpinx erhöht die Erfolgschancen einer nachfolgenden IVF-Behandlung.
  3. Resultate der Assistierten Reproduktion bei Frauen in einem Alter von 41 – 45 Jahren.
  4. Stellt Assisted Hatching einen Risokofaktor für das Auftreten eineiiger Zwillingsschwangerschaften dar?

1. Wie häufig ist das PCO-Syndrom in der Normalbevölkerung?

Gynäkologen und Endokrinologen wissen, daß das PCO-Syndrom häufig ist und viele Frauen, die unerfüllten Kinderwunsch haben, daran leiden. Genaue Zahlen über die Häufigkeit des Vorkommens (Prävalenz) dieser Stoffwechselstörung bei Frauen in der allgemeinen Bevölkerung ist jedoch nicht bekannt. Daten darüber werden nun von einer spanischen Arbeitsgruppe vorgelegt. Die Autoren untersuchten spanische Frauen, die sich an einem Blutspendeprogramm beteiligten. Damit durch keinerlei Selektion eine Verfälschung der Ergebnisse auftrat, wurden 154 Frauen untersucht, die sich hintereinander zur Blutspende gemeldet hatten. Es wurden anthropometrische Daten, das Vorhandensein von Hirsutismus, Akne, androgenetischer Alopezie und Daten zur Menstruationsanamnese erfaßt. Durch Bluttests wurden die Serumkonzentrationen von Androgenen bestimmt. Die Untersuchung ergab, daß 6,5% dieser Frauen ein PCO-Syndrom aufwiesen. Das PCO-Syndrom ist daher eine häufige ovarielle Funktionsstörung bei Frauen.

Literatur

Asuncion, M et al. (2000) A prospective study of the prevalence of the polycystic ovary syndrome in unselected caucasian women from Spain. J. Clin. Endocrinol. Metab. 85: 2434-2438

2. Operative Behandlung der Hydrosalpinx erhöht die Erfolgschancen einer nachfolgenden IVF-Behandlung.

Die Erfolge einer IVF-Behandlung bei tubarer Sterilität bei Vorliegen einer Hydrosalpinx sind geringer als bei tubarer Sterilität ohne bestehende Hydrosalpinx. In den letzten Jahren konnte in mehreren Studien gezeigt werden, daß die operative Entfernung einer Hydrosalpinx die Resultate einer IVF-Behandlung soweit verbessert, daß sich die Erfolgsrate nicht von Frauen mit tubarer Sterilität ohne Hydrosalpinx unterscheidet. Es sind jedoch auch Bedenken geäußert worden, daß eine Salpingektomie die utero-ovarielle Blutzirkulation beeinträchtigen und somit unter anderem eine Verminderung der ovariellen Reserve bewirken könnte. Falls dieser Einwand gegen eine Salpingektomie tatsächlich gerechtfertigt ist, könnte die Beseitigung des ungünstigen Einflusses einer Hydrosalpinx auf die IVF-Behandlung auch in einer einfachen Kauterisierung des proximalen Eileiterabschnittes bestehen. Im Hinblick auf die Verbesserung der IVF-Resultate waren Salpingektomie und Kauterisierung der Tube tatsächlich ebenbürtig. Generell sollte das Vorliegen einer Hydrosalpinx nicht grundsätzlich zu Salpingektomie und nachfolgender IVF-Behandlung führen. Es sollte zunächst geprüft werden, ob bei unversehrter Tubenschleimhaut eine operative Korrektur der Hydrosalpinx mit nachfolgender Spontankonzeption möglich ist. Wird dies verneint oder hat eine solche konservative Therapie nicht zum Erfolg geführt, dann sollte die IVF-Behandlung nicht ohne eine zuvor durchgeführte Salpingektomie oder Kauterisierung des proximalen Tubenabschnittes durchgeführt werden.

Literatur

Stadtmauer LA et al. (2000) Cauterization of hydrosalpinges before in vitro fertilization is an effective surgical treatment associated with improved pregnancy rates. Am. J. Obstet. Gynecol. 183: 367-371)

Strandell, A und Lindhard, A (2000)Hydrosalpinx and ART: Salpingectomy prior to IVF can be recommended to a well-defined subgroup of patients. Hum. Reprod. 15: 2072-2074

Puttemans P et al. (2000) Hydrosalpinx and ART: hydrosalpinx – functional surgery or salpingectomy. Hum. Reprod. 15: 1427-1430

3. Resultate der Assistierten Reproduktion bei Frauen in einem Alter von 41 – 45 Jahren.

Mit zunehmendem Alter der Frauen geht die Fruchtbarkeit in Spontanzyklen und unter den Bedingungen der Assistierten Reproduktion zurück. Die Gruppe um Ron-El analysierte die Ergebnisse der IVF- und ICSI-Behandlung von 431 Behandlungszyklen bei Frauen in einem Alter von 41-45 Jahren. In 87% der Zyklen konnten Eizellen gewonnen werden. Während die Schwangerschaftsrate 12,4% betrug, kam es jedoch nur in 4,5% zur Geburt. Die Geburtenrate im Alter zwischen 41 und 43 Jahren betrug 2-7%. Ab einem Alter von 44 Jahren kam es zu keiner Geburt und bei den Frauen im Alter von 45 Jahren zu keiner Schwangerschaft.

Unabhängig vom Alter, aber in der Regel mit fortschreitendem Alter assoziiert, ist die ovarielle Reserve, erkennbar an der Anzahl der stimulierbaren Follikel und gewonnen Eizellen, als prognostischer Faktor für die Erfolgswahrscheinlichkeit einer IVF-Behandlung anzusehen. Lassen sich nur 1 – 3 Eizellen gewinnen, so tendiert die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit gegen Null. Aus diesem Grund werden begonnene Behandlungszyklen vorzeitig abgebrochen, wenn anhand der Anzahl von Follikeln ein Mißerfolg der Behandlung wahrscheinlich ist. Es wäre wünschenswert, bereits vor Beginn einer Behandlung Frauen mit reduzierter ovarieller Reserve identifizieren zu können. Frattarelli und Mitarbeiter konnten zeigen, daß eine reduzierte Anzahl kleiner antraler Follikel (weniger als 10) und ein geringer mittlere Durchmesser der Eierstöcke (weniger als 20 mm) mit einer reduzierten ovariellen Reserve korrelierten.

Literatur

Ron-El, R et al. (2000) Outcome of assisted reproductive technology in women over the age of 41. Fertil. Steril. 74: 471-475

Frattelli et al. (2000) Basal antral follicle number and mean ovarian diameter predict cycle concellation and ovarian responsiveness in assisted reproductive technology cycles. Fertil. Steril. 74: 512-517

4. Stellt Assisted Hatching einen Risokofaktor für das Auftreten eineiiger Zwillingsschwangerschaften dar?

Assisted Hatching wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Es ist ein Verfahren im Rahmen der Assistierten Reproduktion, bei dem durch das Eröffnen der Zona pellucida das Heranwachsen und Schlüpfen des Embryos gewährleistet wird. Die Gruppe um Schieve überprüfte das Auftreten von eineiigen (monozygoten) Mehrlingsgraviditäten in 35.503 auswertbaren ART-Zyklen (assistierte Reproduktionstechnology) , die 1996 in den USA durchgeführt und zentral registriert wurden. Assisted Hatching (AH) wurde bei allen Embryonen in 10.703 Zyklen (30%) und nur bei jeweils einigen Embryonen in 3.310 Zyklen (9%) durchgeführt. 12.095 klinische Schwangerschaften traten ein, und in 11.247 dieser Schwangerschaften waren Angaben über die Anzahl der Feten erhältlich. Es konnten 22 Schwangerschaften identifiziert werden, in denen entweder eine monozygote Zwillingsschwangerschaft vorlag oder sich in einer Mehrlinggravidität ein Paar von monozygoten Zwillingen befand. Die Zuordnung dieser Schwangerschaften zu AH- oder nicht-AH-Zyklen ergab, daß die Wahrscheinlichkeit des Auftretens monozygoter Zwillinge in AH-Zyklen dopplelt so hoch war wie in den Kontrollen ohne AH. Übrigens war die Schwangerschaftsrate in Zyklen mit AH nicht signifikant höher als in Zyklen ohne AH. Es wird darauf hingewiesen, daß der Sinn des AH nach wie vor fragwürdig ist und in prospektiven Studien geklärt werden sollte, welche Frauen überhaupt von einem Assisted Hatching profitieren.

Literatur

Schieve, LA et al. (2000) Does assisted hatching pose a risk for monozygotic twinning in pregnancies conceived through in vitro fertilization? Fertil. Steril. 74: 288-294)

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Gerhard Leyendecker