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24.07.2001
 
Sonder-Newsletter Nr.6
 
"Die große Hormon-Blamage"

Ein Kommentar zum Artikel aus "Der Spiegel" Nr. 30 vom 23.07.2001 über
"Postmenopausale Hormon-Substitutionstherapie"
von Professor Gerhard Leyendecker, Darmstadt

DER SPIEGEL (Nr. 30/23.7.2001) hatte Zugang zu dem Artikel "Postmenopausale Hormon-Substitutionstherapie" von JoAnne Manson und Kathryn Martin, Harvard Medical School, Boston, der in der Ausgabe vom 5. Juli 2001 des New England Journal of Medicine unter der Rubrik "Klinische Praxis" erschienen war, und glaubt nun, ihn, wie gewohnt hämisch, als Keule gegen die Medizin und Pharmaindustrie unter dem Motto "haben wir doch alles schon gewußt" anwenden zu können.

Anders als der Spiegel seinen Leserinnen weismachen will, handelt es sich bei der hormonalen Substitutionstherapie im Klimakterium und der Postmenopause nicht um eine "Hormon-Blamage" sondern um eine der "Erfolgsstories" der modernen Medizin. Dies werden alle jene Frauen bestätigen können, die während der Wechseljahre oder nach einer Operation unter erheblichen Hormonmangelerscheinungen leiden und litten und durch die Zufuhr von Hormonen wieder ein normales Leben führen können.

In diesem Sinn hat mein Freund und akademischer Lehrer, Professor Wolfgang Nocke, seinen Vergleich mit dem Diabetes und der Gabe von Insulin gemeint. Selbstverständlich muß bei der Hormonersatztherapie wie bei jeder anderen Therapie eine Indikationsstellung vorgenommen und Nutzen und Risiken gegen einander abgewogen werden. Der Nutzen der Hormonersatztherapie beim sog. klimakterischen Syndrom ist unbestritten. Ebenso unstrittig ist das Aufhalten des klimakterischen und postmenopausalen Knochensubstanzverlustes. Risiken bestehen hinsichtlich der Entwicklung eines Gebärmutterschleimhautkrebses, die durch die zusätzliche Gabe eines Gestagens aufgehoben werden.

Nach der bisherigen Datenlage ist bei einer fünfjährigen Estrogenzufuhr das Risikio eines dadurch induzierten Mammakarzinoms marginal. Epidemiologische Daten und erste Fallbeobachtungen ließen vermuten, daß Estrogene einen günstigen Effekt im Hinblick auf die Entwicklung koronarer Herzerkrankungen haben könnten.

Es ist aberwitzig, es der Hormonersatztherapie anzulasten, daß sie dies und auch eine erhoffte günstige Beeinflussung der Alzheimer Erkrankung auf Grund neuerer Studien möglicherweise nicht zu leisten vermag. Der Artikel von Manson und Martin und die bereits veröffentlichten und bis 2005 und 2012 laufenden Studien zur Hormonersatztherapie sind keine Dokumente der "Hormon-Blamage" sondern Ausdruck des verantwortlichen wissenschaftlichen Bemühens, bei einer so wichtigen, hilfreichen und daher auch breit eingesetzten Behandlung vertiefte Erkenntnisse über die möglichen Risiken zu erhalten, um eventuell alternative Therapien anbieten zu können. Dem Spiegel dürfte klar sein, daß auch bei alternativen Therapien mögliche Risiken erst nach Jahrzehnten evident werden könnten.

Literatur

Manson JE, Martin KA (2001) Clinical practice. Postmenopausal hormone-replacement therapy. N Engl J Med. 345(1):34-40

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Gerhard Leyendecker