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17.01.2002
 
Newsletter Nr.13
 
  1. Der G-Punkt: Ein sexualmedizinisches UFO.
  2. Spermiogrammparameter bei fruchtbaren und unfruchtbaren Männern
  3. Schnelle Zellteilung spricht für hohe Qualität der Embryonen
  4. Entwicklung eines Embryos bis ins Blastozystenstadium schließt einen chromosomalen Defekt nicht aus

1. Der G-Punkt: Ein sexualmedizinisches UFO.
Als modernen gynäkologischen Mythos oder als ein sexualmedizinisches UFO (unidentifizierbares (Flug-)Objekt) bezeichnet Hines den berühmten G-Punkt, unter dessen Nichtauffindbarkeit bei sich selbst viele Frauen möglicherweise bekümmert sein könnten. Kein Grund zur Trübsal: Es gibt ihn gar nicht. Bitte dies Lilo Wanders weitersagen. Die Bezeichnung G-Punkt oder Grafenberg-Punkt bezieht sich auf ein angeblich höchst sensibles Areal an der Vaginalvorderwand im unteren Scheidendrittel. Nach einer Befragung sind mehr als 60% kanadischer und amerikanischer Frauen von seiner Existenz überzeugt. Dabei sind Hinweise für seine Existenz eher dürftig bis gar nicht vorhanden. Bei 11 (elf!!) Frauen wurde in einer "wissenschaftlichen" Untersuchung nach dem G-Punkt gefahndet. Um herauszufinden ob die Frauen einen solchen hatten, wurde jede Frau von jeweils zwei Gynäkologen untersucht, die sich zuvor einem dreistündigen Training unterziehen mußten, wie der G-Punkt herauszufinden sei. Dieses Training bestand in einer "speziellen Art von bimanueller Untersuchung sowie sexologischer Examinierung, bei der die gesamte Vagina im Uhrzeigersinn abgetastet wurde". Aufgrund dieser Untersuchung glaubten die Gynäkologen, bei 4 von 11 Frauen einen G-Punkt gefunden zu haben. Bei Durchsicht der verfügbaren Literatur kommt der Autor zu dem Schluß, daß die wissenschaftliche Beweislage für die Existenz des G-Punktes extrem dürftig ist. Nebenbei: Grafenberg hat einen solchen Punkt nie beschrieben.

Literatur

Hines TM (2001)The G-spot: a modern gynecologic myth. Am J Obstet Gynecol. 185:359-62.

2. Spermiogrammparameter bei fruchtbaren und unfruchtbaren Männern

Die Autoren untersuchten die Spermaparameter von fertilen 765 und 696 infertilen Paaren, wobei bei den letzteren aufgrund üblicher Untersuchungskritereien die Frauen als fruchtbar gelten konnten. Bei einer Spermienkonzentration von weniger als 13.5 Mill/ml, einer Beweglichkeit von weniger als 32% und einer guten Morphologie von weniger als 9% begann der Bereich der Subfertilität. Sichere Fertilität ergab sich ab einer Spermienkonzentration von mehr 48 Mill/ml, eine Beweglichkeit von mehr als 63% und einer normalen Morphologie von mehr als 12%. Zwischen diesen Werten lag eine Zone nicht sicherer Fertilität. Bei allen drei Parametern ergab sich eine erhebliche Überlappung. Die Werte können demnach nur als Schwellenwerte angesehen werden.

Literatur

Guzick DS et al. (2001) Sperm Morphology, Motility, and Concentration in Fertile and Infertile Men N. Engl. J. Med. 345: 1388-1393

3. Schnelle Zellteilung spricht für hohe Qualität der Embryonen

Eine hohe Schwangerschaftsrate bei gleichzeitig niedriger Rate an Zwillingsschwangerschaften ist das Ziel einer verantwortungsvollen Sterilitätsbehandlung unter Verwendung der IVF oder IVF/ICSI Verfahren. In Deutschland verbietet, anders als in anderen zivilisierten westlichen Ländern, das Embryonenschutzgesetz die Auswahl eines oder von maximal zwei aus einer Schar von heranwachsenden Embryonen zum Transfer. In Deutschland ist nur eine Auswahl auf der Ebene des Vorkernstadiums möglich. In den meisten anderen Ländern können die Embryonen an Tag drei oder im Blastozystenstadium beurteilt und für den Transfer ausgewählt werden. Die Autoren berichten, daß auch eine schnelle Teilungsrate von Embryonen ein Qualitätskriterium darstellt. Wenn Embryonen unter diesen Gesichtspunkten für den Transfer ausgewählt werden, resultiert eine hohe Schwangerschaftsrate.

Literatur

Lundin K, Bergh C, Hardarson T. (2001) Early embryo cleavage is a strong indicator of embryo quality in human IVF. Hum Reprod. 16:2652-2657

Bos-Mikich A, Mattos AL, Ferrari AN. (2001) Early cleavage of human embryos: an effective method for predicting successful IVF/ICSI outcome. Hum Reprod. 16:2658-2661

4. Entwicklung eines Embryos bis ins Blastozystenstadium schließt einen chromosomalen Defekt nicht aus

Die Wahrscheinlichkeit, daß der Transfer von Embryonen in eine Schwangerschaft mündet, nimmt zu, wenn in der Embryokultur ein regelrechtes Wachstum bis zum Blastozystenstadium beobachtet werden kann. Wachstum bis zur Blastozyste schließt jedoch nicht aus, daß chromosomale Defekte wie z.B. eine Trisomie 21 vorliegen.

Literatur

Sandalinas M, Sadowy S, Alikani M, Calderon G, Cohen J, Munne S. (2001) Developmental ability of chromosomally abnormal human embryos to develop to the blastocyst stage. Hum Reprod. Sep;16(9):1954-1958.

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Gerhard Leyendecker