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18.05.2002
 
Newsletter Nr. 15
 
  1. Die Bedeutung der Technik des Embryotransfers fĂŒr die Schwangerschaftsrate
  2. Das rĂ€tselhafte PCOS – intraovarielle Störungen
  3. Ovarialcarcinomrisiko nach IVF
  4. Fehlgeburt nach IVF ist ein gutes Omen fĂŒr spĂ€teren Erfolg

1. Die Bedeutung der Technik des Embryotransfers fĂŒr die Schwangerschaftsrate

Es ist bekannt, daß technisch schwierige Embryotransfers die Schwangerschaftsrate reduzieren. Es sollte daher ein Prinzip sein, den Embryotransfer so schonend wie möglich durchzufĂŒhren. Irritationen des Uterus durch Anhaken des Muttermundes oder BerĂŒhrung des Daches der GebĂ€rmutterhöhle mit dem Transferkatheter, was regelmĂ€ĂŸig als unangenehm von der Patientin empfunden wird, sollten strikt vermieden werden. Solche Irritationen können zu vermehrten Kontraktionen des Uterus und zum Ausschwemmen des Embryos fĂŒhren. Die KatheterfĂŒhrungshĂŒlse sollte frei eingefĂŒhrt werden. Die Arretierung sollte so justiert sein, daß die innere Öffnung gerade ĂŒber den inneren Muttermund ragt. Der Katheter selbst sollte aus möglichst weichem Material bestehen und nicht ĂŒber die Mitte der GebĂ€rmutterhöhle hinaus vorgeschoben werden. Der in der Mitte der GebĂ€rmutterhöhle deponierte Embryo wird durch die physiologischen peristaltischen Kontraktionen nach oben transportiert, so daß eine hoch-fundale Implantation gewĂ€hrleistet ist.

Literatur

Mansour RT, Aboulghar MA. (2002) Optimizing the embryo transfer technique. Hum Reprod. 17:1149-1153

2. Das rĂ€tselhafte PCOS – intraovarielle Störungen

Das Syndrom der polycystischen (richtiger: polyfollikulĂ€ren) Ovarien ist charakterisiert durch eine ovarielle HyperandrogenĂ€mie (vermehrte mĂ€nnliche KeimdrĂŒsenhormone, die aus dem Ovar stammen) und durch chronische Anovulation (fehlender Eisprung) mit daraus resultierender SterilitĂ€t. Eine familiĂ€re HĂ€ufung und somit eine erbliche Komponente sind evident. Eine Insulinresistenz mit resultierender HyperinsulinĂ€mie ist vermutlich kein auslösender, wohl aber ein verstĂ€rkender Faktor in der Pathophysiologie des Syndroms. Ebenso kann die somatotrope Achse mit einer verstĂ€rkten AusschĂŒttung von Wachstumshormon (GH) involviert sein. Insulin und GH wirken auf der Ebene des Ovars ĂŒber Insulin- bzw. IGF-1-Rezeptoren. Die Frage nach der primĂ€ren ovariellen Ursache ist bisher nicht geklĂ€rt. Ein vereinendes Konzept fehlt. In der Theka interna besteht eine Überexpression von LH-Rezeptoren, des CYP-11-Gens (Enzym der Seitenkettenabspaltung mit Bildung von Pregnenolon aus Cholesterin) und des CYP-17-Gens (Enzym zur Bildung von 17-alpha-Hydroxyprogesteron mit konsekutiver Bildung von Androgenen), jedoch liegen dem keine entsprechenden Gendefekte zu Grunde. Die Überexpression dieser Gene (vermehrte mRNA der jeweiligen Gene) in der Theka interna sind offenbar unklare sekundĂ€re Effekte in der intrazellulĂ€ren SignalĂŒbertragung. Es liegen Hinweise vor, daß die regulatorischen Mechanismen des follikulĂ€ren Wachstums und der follikulĂ€ren Differenzierung in vielfĂ€ltiger Weise gestört sind. Die Kohorte heranwachsender Follikel ist beim PCOS doppelt so groß wie in normalen Ovarien. Es besteht ein Wachstumsstop der Follikel bei einer GrĂ¶ĂŸe von 5-7 mm bei gleichzeitig weitgehend reduzierter Atresie (normales Zugrundegehen der Follikel). Infolge dessen liegt eine große Anzahl stimulierbarer Follikel vor als Grundlage der hĂ€ufigen ovariellen Überstimulation beim PCOS. Neuere Untersuchungen zeigen, daß ein wichtiger Wachstumsfaktor der follikulĂ€ren Differenzierung, der Growth Differentiation Faktor-9 (GDF-9), in den Follikeln bei PCOS vermindert exprimiert wird. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, daß es sich hierbei ebenfalls um ein FolgephĂ€nomen und nicht um die eigentliche Ursache handelt.

Literatur

Daneshmand S, Weitsman SR, Navab A, Jakimiuk AJ, Magoffin DA. (2002) Overexpression of theca-cell messenger RNA in polycystic ovary syndrome does not correlate with polymorphisms in the cholesterol side-chain cleavage and 17alpha-hydroxylase/C(17-20) lyase promoters. Fertil Steril. 77:274-280

Teixeira Filho FL, Baracat EC, Lee TH, Suh CS, Matsui M, Chang RJ, Shimasaki S, Erickson GF. (2002) Aberrant expression of growth differentiation factor-9 in oocytes of women with polycystic ovary syndrome. J Clin Endocrinol Metab. 87:1337-1344.

3. Carcinomrisiko nach IVF

Die ovarielle Stimulation stand immer wieder im Verdacht, das Carcinomrisiko zu erhöhen. Es wurde daher eine retrospektive Studie durchgefĂŒhrt um zu prĂŒfen, ob die IVF-Behandlung zu einer Erhöhung des Carcinomrisikos fĂŒhre. 5026 Frauen, die sich zwischen 1981 und 1992 einer IVF-Behandlung unterzogen, wurden ĂŒberprĂŒft. Als Kontrolle diente die israelische National Cancer Registry. Bei den IVF-Patientinnen wurden insgesamt 27 Karzinome beobachtet, wĂ€hrend 35,6 Karzinome zu erwarten gewesen wĂ€ren. Im gynĂ€kologischen Bereich wurden 11 (15,86) Mammakarzinome, 1 (1,7) Ovarial- und 1 (1,7) GebĂ€rmutterhalskarzinom beobachtet. In Klammern die jeweils zu erwartende Anzahl. Art der SterilitĂ€t, Anzahl der IVF-Zyklen sowie deren Ergebnis hatte keinen signifikanten Einfluß auf das Karzinomrisiko. Diese große Studie zeigt demnach, daß eine IVF-Behandlung keinen Einfluß auf das Karzinomrisiko ausĂŒbt.

Literatur

Dor J, Lerner-Geva L, Rabinovici J, Chetrit A, Levran D, Lunenfeld B, Mashiach S, Modan B. (2002) Cancer incidence in a cohort of infertile women who underwent in vitro fertilization. Fertil Steril. 77:324-327.

4. Fehlgeburt nach IVF ist ein gutes Omen fĂŒr spĂ€teren Erfolg

Frauen mit einer sehr frĂŒhen Fehlgeburt oder auch nur einer "biochemischen” Schwangerschaft haben eine höhere Chance, im darauf folgenden IVF-Zyklus schwanger zu werden, als solche, bei denen der Schwangerschaftstests im ersten Zyklus negativ ausfiel. FĂŒr die Frauen mit sehr frĂŒher Fehlgeburt oder biochemischer Schwangerschaft betrug die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit im nĂ€chsten Zyklus 37,3%, bei solchen mit klinischer Fehlgeburt 42,3% gegenĂŒber 27,3% bei Frauen mit negativem Schwangerschaftstest im ersten Zyklus.

Literatur

Bates GW Jr, Ginsburg ES (2002) Early pregnancy loss in in vitro fertilization (IVF) is a positive predictor of subsequent IVF success. Fertil Steril. 77:337-341.

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Gerhard Leyendecker