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20.07.2002
 
Newsletter Nr. 16
 
  1. Pille und Brustkrebs
  2. Insulinresistenz bei Schwestern von Frauen mit PCO-Syndrom: Assoziation mit dem Bestehen einer HyperandrogenÀmie.
  3. Dehydroepiandrosteronsulfat ist bei BrĂŒdern von Frauen mit PCO-Syndrom erhöht
  4. Ovarielle Reserve nach Embolisation der Uterinarterien zur Behandlung von Myomen

1. Pille und Brustkrebs
Es ist nicht sicher, ob die langjĂ€hrige Einnahme oraler Kontrazeptiva das spĂ€tere Risiko der Entwicklung eines Mammakarzinoms erhöht oder nicht. Frauen im Alter von 35 – 64 Jahren wurden befragt. Die Ergebnisse stĂŒtzen sich auf 4575 Frauen mit Brustkrebs und 4682 Kontrollen ohne Brustkrebs. Das relative Risiko der Entwicklung eines Brustkrebses betrug 1,0 (95% Vertrauensintervall, 0,8 – 1,3) bei Frauen, die gegenwĂ€rtig orale Kontrazeptiva einnahmen und 0,9 (0,8 – 1,0) bei Frauen, die sie frĂŒher genommen hatten. Dauer der Einnahme und Höhe der Östrogendosis hatten keinen Einfluß auf das relative Risiko. Auch bei familiĂ€rer Belastung mit Mammakarzinom fĂŒhrte die Einnahme oraler Kontrazeptiva nicht zu einer Erhöhung des Erkrankungsrisikos. Schlußfolgerung: Bei Frauen im Alter zwischen 35 und 64 Jahren fĂŒhrt der gegenwĂ€rtige und frĂŒhere Gebrauch oraler Kontrazeptiva nicht zu einer Erhöhung des Brustkrebsrisikos.

Literatur

Marchbanks PA, McDonald JA, Wilson HG, Folger SG, Mandel MG, Daling JR, Bernstein L, Malone KE, Ursin G, Strom BL, Norman SA, Wingo PA, Burkman RT, Berlin JA, Simon MS, Spirtas R, Weiss LK. (2002) Oral contraceptives and the risk of breast cancer. N Engl J Med. 346:2025-2032.

Davidson NE, Helzlsouer KJ. (2002) Good news about oral contraceptives. N Engl J Med. 346:2078-2079. No abstract available.

2. Insulinresistenz bei Schwestern von Frauen mit PCO-Syndrom: Assoziation mit dem Bestehen eine HyperandrogenÀmie

Das PCO-Syndrom ist die hĂ€ufigste Endokrinopathie bei Frauen und wird definiert als hyperandrogenĂ€mische chronische Anovulation bei gleichzeitigem Ausschluß adrenaler oder tumoröser Ursachen einer HyperandrogenĂ€mie. Es wird angenommen, daß etwa 5% aller Frauen betroffen sind. Frauen mit PCOS bieten eine besondere Form der Insulinresistenz. Der ihr zugrunde liegende genetische Defekt ist nicht bekannt. Adipositas (Übergewicht) verstĂ€rkt die AusprĂ€gung einer Insulinresistenz. Wenn bei der diagnostischen Identifizierung des PCOS der Schwerpunkt auf ZyklusirregularitĂ€ten gelegt wird, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß in einem so identifizierten Kollektiv der Prozentsatz der Frauen mit einer Insulinstoffwechselstörung hoch ist (40%). Beim PCO-Syndrom werden hereditĂ€re Komponenten angenommen, die allerdings bisher nicht identifiziert sind.
Die Studie wurde durchgefĂŒhrt, um zu ĂŒberprĂŒfen, ob Schwestern von Frauen mit PCOS Hinweise auf das Vorliegen einer Insulinresistenz haben. Untersucht wurden 336 Frauen mit PCOS, 307 Schwestern dieser Probandinnen sowie 47 Kontrollfrauen ohne PCOS. Die 307 Schwestern wurden unterteilt in folgende Untergruppen: PCOS (HyperandrogenĂ€mie (HA) mit chronischer Oligo- oder Amenorrhoe; n = 39; PCOS-Schwestern), HyperandrogenĂ€mie (HA) mit regelmĂ€ĂŸigen Zyklen (n = 36; HA-Schwestern), von beiden Störungen nicht betroffen (NB-Schwestern) (n = 122) und unbekannt (n = 110).
PCOS-Schwestern und HA–Schwestern zeigten eine Insulinresistenz, wĂ€hren NB-Schwestern und Kontrollfrauen keine Insulinstoffwechselstörung aufwiesen. Dies zeigt, daß die Insulinresistenz und die HyperandrogenĂ€mie kombiniert vererbt werden. Eine Insulinresistenz per se fĂŒhrt nicht zu einer Zyklusstörung. Das Ausmaß der Insulinstörung mag fĂŒr das Auftreten einer Zyklusstörung (Oligo-Amenorrhoe) verantwortlich sein, wobei dieses von Ă€ußeren sowie internen Faktoren abhĂ€ngen mag. PCOS-Schwestern waren ĂŒbergewichtiger als HA-Schwestern und diese wiederum ĂŒbergewichtiger als NB-Schwestern und Kontrollfrauen.

Literatur

Legro RS, Bentley-Lewis R, Driscoll D, Wang SC, Dunaif A. (2002) Insulin resistance in the sisters of women with polycystic ovary syndrome: association with hyperandrogenemia rather than menstrual irregularity. J Clin Endocrinol Metab. 87:2128-2133.

Legro, R.S. (2002) Polycystic ovary syndrome. Long term sequelae and management. Minerva Ginecol. 54:97-114.

3. Dehydroepiandrosteronsulfat ist bei BrĂŒdern von Frauen mit PCO-Syndrom erhöht.

Bei der Entwicklung eines PCO-Syndroms besteht eine bisher nicht geklĂ€rte erbliche Komponente. In Familien findet sich eine gehĂ€uftes Auftreten des Syndroms, und Schwestern von Frauen mit PCOS zeigen hĂ€ufig entweder das Vollbild des Syndroms ebenfalls oder nur eine HyperandrogenĂ€mie bei regelmĂ€ĂŸigen Zyklen. Bei einer genetischen Komponente mĂŒĂŸten auch BrĂŒder von PCO-Frauen gehĂ€uft bestimmte Erscheinungen (PhĂ€notyp) aufweisen. Bisher wurde angenommen, daß die vorzeitige Glatzenbildung das entsprechende Ă€ußere Korrelat der Endokrinopathie beim Mann sei. In der vorliegenden Studie wurden 119 BrĂŒder von 87 mit einander nicht verwandter Frauen mit PCO-Syndrom und 68 mit einander nicht verwandter MĂ€nner als Kontrollen untersucht. BrĂŒder von PCO-Frauen zeigten keine verstĂ€rkte vorzeitige Glatzenbildung im Vergleich zu den Kontrollen. Bei den PCO-BrĂŒdern fand sich ein statistisch signifikant erhöhter Blutspiegel and Dehydroepiandrosteronsulfat (DHEAS). Andere endokrine Charakteristika fanden sich nicht, die PCO-BrĂŒder von den Kontrollen unterschied. Innerhalb von Familien mit Frauen mit PCOS finden sich vermehrt BrĂŒder mit erhöhten DHEAS-Spiegeln. Diese Daten sprechen fĂŒr eine vererbbare Störung der Steroidbiogenese beim PCOS, die bei MĂ€nnern durch erhöhte DHEAS-Spiegel zum Ausdruck kommt.

Literatur

Legro RS, Kunselman AR, Demers L, Wang SC, Bentley-Lewis R, Dunaif A (2002). Elevated dehydroepiandrosterone sulfate levels as the reproductive phenotype in the brothers of women with polycystic ovary syndrome. J Clin Endocrinol Metab. 87:2134-2148.

4. Ovarielle Reserve nach Embolisation der Uterinarterien zur Behandlung von Myomen

Die Uterinarterienembolisation (UAE) wird zunehmend als neue, den Uterus erhaltende Methode zur Behandlung von Myomen propagiert. Diese interventionelle radiologische Methode ist vom Prinzip her einfach. Sie beruht auf der Vorstellung, daß uterine Myome einen Großteil der uterinen Blutzirkulation beanspruchen und eine UAE bevorzugt deren Versorgung unterbindet und somit eine gezielte IschĂ€mie mit nachfolgender Nekrose induziert. Im Newsletter Nr. 11 wurde bereits ĂŒber die Methode berichtet. Generell wird empfohlen, die UAE nur bei Frauen mit abgeschlossenem Kinderwunsch durchzufĂŒhren. Es liegen zwar vereinzelte Berichte ĂŒber Schwangerschaften nach UAE vor, allerdings auch solche ĂŒber erhebliche Schwangerschaftskomplikationen. GrundsĂ€tzlich stellt sich die Frage, ob bei einer UAE auch eine BeeintrĂ€chtigung der Ovarialfunktion möglich ist, indem die utero-ovarielle Kollateralversorgung von einer Embolisation betroffen ist. Dies könnte zu einer reduzierten ovariellen Reserve fĂŒhren, was einerseits ein verfrĂŒhtes Einsetzen der Postmenopause und andererseits auch eine reduzierte Schwangerschaftswahrscheinlichkeit bedeuten wĂŒrde. Die Autoren untersuchten an Tag 3 FSH- und Östradiolspiegel vor UAE und bis zu drei Monate nach UAE ebenfalls FSH- Und Östradiolspiegel bei Frauen mit bis zur DurchfĂŒhrung der Therapie intakter Ovarialfunktion. Die Untersuchungen ergaben eine deutliche Reduzierung der ovariellen Reserve. Es wird daher von der Anwendung der UAE bei Frauen mit Kinderwunsch und jĂŒngeren Frauen wegen der möglichen Störung der Ovarielfunktion abgeraten.

Literatur

Tulandi T, Sammour A, Valenti D, Child TJ, Seti L, Tan SL. (2002) Ovarian reserve after uterine artery embolization for leiomyomata. Fertil Steril. 78:197-198. No abstract available.

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Gerhard Leyendecker