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15.09.2002
 
Newsletter No 17
 
  1. PCOS und Ovar-Diathermie.
  2. Die Morphologie des ersten Polkörperchens und die Rate der Entstehung von Blastozysten bei ICSI-Behandlung.
  3. Sollte bei IVF grundsätzlich ICSI durchgeführt werden? Nein, nicht unter Berücksichtigung der wissenschaftlichen Daten
  4. Syndrom der polyzystischen Ovarien (PCOS)

1. PCOS und Ovar-Diathermie

Gegenwärtig besteht auf der Grundlage verschiedener Studien Unklarheit über die langfristigen Effekte einer ovariellen Diathermiebehandlung beim Syndrom der polyzystischen Ovarien (PCOS). Die vorliegende longitudinale follow-up-Studie untersucht die anhaltenden Effekte dieser Therapie an 116 anovulatorischen PCOS-Frauen, die zwischen 1991 und 1999 behandelt wurden (Therapiegruppe), und 34 anovulatorischen PCO-Frauen, die im gleichen Zeitraum diagnostiziert aber nicht behandelt wurden (Kontrollgruppe). Es wurden die Krankenunterlagen gesichtet und Fragebögen an alle Patientinnen versandt. Zusätzlich konnten fast alle Frauen untersucht und befragt werden. Die erhobenen klinischen Daten, die zu verschiedenen follow-up-Zeiten erfasst wurden, umfassten das Menstruationsprofil, Symptome im Zusammenhang mit einer Hyperandrogenämie sowie reproduktionsmedizinische Daten. In einem Drittel der Fälle führte die Ovarialdiathermie zur Verbesserung der Ovarialfunktion und spontan eintretenden Schwangerschaften. Eine mäßige bzw. anhaltende Verbesserungen von Akne und Hirsutismus können in 40 bzw. 25% der Patientinnen erwartet werden.

Literatur

Amer SA, Gopalan V, Li TC, Ledger WL, Cooke ID Long term follow-up of patients with polycystic ovarian syndrome after laparoscopic ovarian drilling: clinical outcome. Hum Reprod. 2002 Aug;17(8):2035-42.

2. Die Morphologie des ersten Polkörperchens und die Rate der Entstehung von Blastozysten bei ICSI-Behandlung.

Nur etwa 30% der fertilisierten Eizellen (Zygoten; PN-Stadien) erreichen das Blastozystenstadium. Es wäre wünschenswert, in einem sehr frühen Stadium der IVF/ICSI-Therapie mit einer nicht invasiven Methode jene Eizellen zu identifizieren, die ein hohes Entwicklungspotential aufweisen. In der Studie wurde eine signifikante Korrelation zwischen der Morphologie des ersten Polkörperchens (PK) und der Embryoqualität gefunden. Die Fragmentierung nach zwei Tagen war in jenen Embryonen erhöht, die von Eizellen mit fragmentierten ersten PK’s stammten im Vergleich zu Embryonen aus Eizellen ohne fragmentierte PK’s. Eine entsprechende Korrelation bestand nicht bei der Fertilisationsrate. Embryonen der Gruppe mit intakten PK’s zeigten eine höhere Rate an Blastozystenbildung als in der defekten Gruppe. Zwischen beiden Gruppen bestand ein signifikanter Unterschied in der Implantationsrate (48.6 versus 22.0%; P < 0.025) und in der Rate weiterführender Schwangerschaften (68.4 versus 34.8%; P < 0.05). Die vorgelegte Studie zeigt, dass die morphologische Untersuchung der ersten PK’s eine Untergruppe von Eizellen mit einem Potential der Blastozystenformierung und folgenden Implantation zu identifizieren vermag.

Literatur

Ebner T, Moser M, Sommergruber M, Yaman C, Pfleger U, Tews G First polar body morphology and blastocyst formation rate in ICSI patients. Hum Reprod. 2002 Sep;17(9):2415-8.

3. Sollte bei IVF grundsätzlich ICSI durchgeführt werden? Nein, nicht unter Berücksichtigung der wissenschaftlichen Daten.

Es wird eine andauernde Diskussion darüber geführt, ob ICSI grundsätzlich ein Bestandteil der künstlichen Befruchtung sein sollte. Die Analyse der publizierten Daten spricht gegen eine solche Auffassung. Nur wenn die Samenanalyse auf eine Beeinträchtigung des Fertilisationspotentials hinweist, sollten Paare dem ICSI-Verfahren zugeführt werden. Dies trifft auch für das Fertilisationsversagen in vorausgegangen IVF-Versuchen zu. ICSI führt dann in der Regel zu besseren Resultaten. Diese Beobachtung weist auf das Vorhandensein ‚okkulter’ Defekte entweder des Spermiums oder der Eizelle hin, die durch ICSI umgangen werden.

Literatur

Oehninger S, Gosden RG Should ICSI be the treatment of choice for all cases of in-vitro conception?: No, not in light of the scientific data. Hum Reprod. 2002 Sep;17(9):2237 42.

4. Syndrom der polycystischen Ovarien

In FERTILITY AND STERILITY und HUMAN REPRODUCTION erschienen mehrere Übersichtsarbeiten zu diesem Thema. Das PCOS ist ein echtes Syndrom mit einer heterogenen Sammlung verschiedener Hinweise und Symptome. Daher ersetzt der Begriff PCOS die ältere Bezeichnung PCOD. In der Tat umfaßt das Spektrum der Erkrankung milde Formen und solche mit massiver Störung endokrinologischer, reproduktiver und metabolischer Funktionen. Nach der US-Konsensuskonferenz von 1990 besteht ein PCOS, wenn eine Hyperandrogenämie zusammen mit Zyklusstörungen (Oligomenorrhoe; Amenorrhoe) vorliegt bei gleichzeitigem Ausschluß einer adrenal- und tumorbedingter Androgenerhöhung. Nach diesen Kriterien weisen etwa 4 – 8% der Normalbevölkerung eine PCOS auf. In Europa wird der Ovarialsonographie ein großer Wert in der Diagnose des PCOS beigemessen. Polycystische Ovarien werden in circa 25% aller Frauen im reproduktionsfähigen Alter gefunden, wovon allerdings ein großer Prozentsatz keine PCOS-Pathologie aufweist.

Das PCOS tritt gehäuft familiär auf, allerdings ist die Art der Vererbung noch nicht geklärt. Studien weisen auf eine autosomal dominante Vererbung hin, die möglicherweise durch externe Faktoren modifiziert wird. Untersuchungen an Zellen von PCOS-Patientinnen (Thekazellen, Muskelzellen und Adipozyten) dokumentieren einen typischen biochemischen und molekularen Phänotyp, der in den entsprechenden Zellen gesunder Frauen nicht gefunden wird. Studien lassen vermuten, dass die Entwicklung eines PCOS genetisch verankert ist, indem entweder ein einzelnes Gen oder aber mehrere Gene verantwortlich sind. Eine eindeutige Identifizierung ist bis heute nicht gelungen. Eine Region in der Nähe des Insulinrezeptorgens gilt als aussichtsreich für eingehendere Untersuchungen.

Die Insulinresistenz steht im Zentrum der metabolischen Störung. Die daraus sich entwickelnden Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 und Atherosklerose wiesen darauf hin, daß die Bedeutung des PCOS weit über die kosmetischen und reproduktionsbiologischen Aspekte der Störung hinausgeht. Die Identifizierung der Insulinresistenz in der Pathophysiologie des PCOS hat zum Einsatz von ‚Insulin sensitizern’ geführt. In diesem Zusammenhang liegen über METFORMIN die größten Erfahrungen vor. Seine akute Gabe führt über eine Reduzierung der Insulinresistenz zu einer Verbesserung der Ovarialfunktion. Die langfristige Gabe kann die Entwicklung der o. g. Folgeerkrankungen verhindern oder verzögern.

Literatur

Balen A, Michelmor K. What is polycystic ovary syndrome?: Are national views important? Hum Reprod. 2002 Sep;17(9):2219-27.

Legro R, Strauss J. Molecular progress in infertility: polycystic ovary syndrome. Fertil Steril. 2002 Sep;78(3):569.

Nestler JE. Should patients with polycystic ovarian syndrome be treated with metformin?: An enthusiastic endorsement. Hum Reprod 2002 Aug;17(8):1950-3.

Seli E, Duleba AJ. Should patients with polycystic ovarian syndrome be treated with metformin? Hum Reprod. 2002 Sep;17(9):2230-6.

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Gerhard Leyendecker