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20.03.2003
 
Newsletter Nr. 20
 
  1. Behandlung der hyperandrogenämischen Alopezie von prämenopausalen Frauen.
  2. Entwicklung von Kindern im Alter von zwei Jahren nach IVF und ICSI
  3. Chromosomale Aberrationen und embryonale Entwicklung bei Paaren mit gehäuften Fehlgeburten
  4. Harninkontinenz nach Vaginalgeburt oder Sectio caesarea

1. Behandlung der hyperandrogenämischen Alopezie von prämenopausalen Frauen

Die Studie wurde durchgeführt, um die Wirksamkeit verschiedener Antiandrogene bei der Behandlung der Alopezie prämenopausaler Frauen zu überprüfen. Achtundvierzig Frauen (mittleres Alter: 25 + 2; mittlerer BMI 24,3 + 2) wurden untersucht, die sich konsekutiv mit dem Hauptbeschwerdebild und der Diagnose einer Alopezie über die Dauer von drei Jahren vorstellten. Es wurden nur Frauen mit erhöhten Androgenspiegeln (oberhalb der zweifachen Standardabweichung normaler Kontrollen) in die Studie aufgenommen. Die Stirnhaarverdünnung wurden als Grad I-III der Ludwig-Klassifikation bestimmt. Die Fronto-parietal–Region wurde bei jeder Patientin vor Behandlung fotografiert zwecks Vergleich mit dem Status am Ende der Behandlung. Geringgradiger Hirsutismus (Ferriman-Gallwey-Lorenzo-Index) fand sich in 21% und Zyklusirregularitäten bei 42% der Patientinnen. Dreißig normale, ovulatorische Frauen mit vergleichbarem Alter und Körpergewicht dienten als Kontrollen. Kontrollen und Patientinnen wurde am 5. bis 6. Zyklustag Blut für die Bestimmung von Testosteron, freiem Testosteron und DHEAS abgenommen, um sicherzustellen, daß bei allen Patientinnen mit Alopezie eine Hyperandrogenämie vorlag.
Sechsunddreißig Frauen mit hyperandrogenämischer Alopezie wurden randomisiert. Jeweils 12 erhielten (1) Cyproteronazetat (CPAA) (50 mg/Tag) und 25 ug Ethinyl-Estradiol (EE) in einem umgekehrt sequentiellen Regime (CPA von Tag 5-15 und EE von Tag 5 –25 des Zyklus; (2) Flutamid (250 mg/day); und (3) Finasterid (5 mg/day). Die Dosis von 250 mg Flutamid war zur Minimalisierung einer potentiellen hepatotoxischen Schädigung gewählt worden. Zwölf weitere Frauen mit hyperandrogenämischer Alopezie lehnten jede Behandlung ab und wurden lediglich über den Verlauf eines Jahres beobachtet. Die Endpunkte waren die Ludwig-Scores sowie die subjektiven Beurteilungen durch Patientin und Untersucher. Flutamid führte zu einer Reduzierung des Ludwig-Scores um 21%. Die anderen Behandlungsmodalitäten führten zu keinen signifikanten Ergebnissen. Die subjektiven Beurteilungen durch Untersucher und Patientinnen zeigten den gleichen Trend. Demnach führt die Gabe von 250 mg Flutamid per die zu einer mäßigen Verbesserung einer androgenetischen Alopezie über die Behandlungsdauer eines Jahres. Bei einer Verlängerung der Therapie könnten sich die Behandlungsergebnisse noch verbessern. CPA und Finasterid erwiesen sich hingegen als ineffektiv.

Literatur

Carmina E, Lobo RA. Treatment of hyperandrogenic alopecia in women. Fertil Steril. 2003 79, 91-95.

Ludwig E. Classification of the types of androgenic alopecia (common baldness occurring in the female sex) Br J Dermatol 1977, 97:247-254

2. Entwicklung von Kindern im Alter von 2 Jahren nach IVF und ICSI

Seit der Einführung von ICSI sind viele Studien zur Frage von Missbildungen, aber nur wenige zur Entwicklung der Kinder durchgeführt worden. Mittels Durchführung eines Standard-Entwicklungs-Tests wurde die Entwicklung der Kinder im Alter von zwei Jahren geprüft und mit derjenigen bei Kindern nach IVF verglichen. Diese Untersuchungen an jeweils repräsentativen Gruppen von ICSI- und IVF-Kindern wurden von einem Pädiater durchgeführt, der im Einzelfall die jeweilig vorausgegangene Therapie der Eltern (IVF oder ICSI) nicht kannte.
Es bestanden keine signifikanten Unterschiede im mütterlichen Ausbildungsniveau, mütterlichen Alter, Anzahl der Geburten, Geburtsgewicht, neonataler Komplikations- oder Missbildungsrate im Alter von 2 Jahren zwischen IVF- und ICSI-Einlingen oder IVF- und ICSI-Zwillingen. Es bestand kein Entwicklungsunterschied (Bayley Skala) in einem Alter von 24-28 Monaten zwischen IVF- und ICSI-Kindern. Eine Multivarianzanalyse bei Einlingen ergab, daß Parität und Alter der Mutter sowie das Geschlecht der Kinder (Jungen hatten geringere Scores als Mädchen) einen signifikanten Einfluß auf das Ergebnis hatten, jedoch nicht die Behandlungsmethode (IVF versus ICSI).
ICSI-Kinder von Vätern mit niedriger Spermiendichte, -beweglichkeit und schlechter Spermienmorphologie zeigten gleiche Entwicklungen wie Kinder von Vätern mit Normospermie.
Nach diesen Untersuchungsergebnissen gibt es keinen Anhalt dafür, daß ICSI-Kinder ungeachtet des Ausmasses der Spermiogrammeinschränkung eine schlechtere psychomotorische Entwicklung als IVF-Kinder hätten.

Literatur

Bonduelle M, Ponjaert I, Steirteghem AV, Derde MP, Devroey P, Liebaers I. Developmental outcome at 2 years of age for children born after ICSI compared with children born after IVF. Hum Reprod. 2003 Feb;18(2):342-50.

3. Chromosomale Aberrationen und embryonale Entwicklung bei Paaren mit wiederholten Fehlgeburten

Chromosomale Störungen sind wichtige Gründe von Spontanaborten und wiederholten Fehlgeburten. Die Autoren haben daher die Häufigkeit chromosomaler Aberration sowie die embryonale Entwicklung analysiert. Bei 71 Paaren mit wiederholten Fehlgeburten wurde eine PID durchgeführt. Die PID bei 28 Paaren mit Geschlechts-gekoppelten Erkrankungen dienten als Kontrolle. Die Chromosomen 13,.16, 18, 21, 22, X und Y wurden mittels Fluoreszenz-in- situ-Hybridisierung untersucht. Bei Patientinnen mit wiederholten Aborten betrug die Implantationsrate 28% und drei Patientinnen abortierten (13%). Der Prozentsatz abnormaler Embryonen war signifikant erhöht im Vergleich zu den Kontrollen (70,7 versus 45,1%). In 19 Zyklen waren alle Embryonen abnormal (225), und wiederholte PID-Zyklen ergaben ähnliche Raten chromosomaler Defekte bei 14 Patientinnen. Am signifikant häufigsten traten Defekte der Chromosomen 16 und 22 auf. Euploide Embryonen erreichten das Blastozystenstadium signifikant häufiger als chromosomal aberrante Embryos (62 versus 25%). IVF plus PID wird daher als ein wichtiger Schritt in der Behandlung von Patientinnen mit wiederholten Aborten angesehen. Allerdings sollte diese Technik über kurz oder lang zur kompletten Chromosomenanalyse führen.

Literatur

Rubio C, Simon C, Vidal F, Rodrigo L, Pehlivan T, Remohi J, Pellicer A. Chromosomal abnormalities and embryo development in recurrent miscarriage couples. Hum Reprod. 2003 Jan;18(1):182-8.

4. Harninkontinenz nach Vaginalgeburt oder Sectio caesarea

Es besteht kein gesichertes Wissen darüber, ob Frauen nach Sectio caesarea eine höhere Rate an Harninkontinenz als Nullipare Frauen haben, und ob Frauen nach Vaginalgeburt ein noch höheres Risiko tragen. Es wurden 15.307 Frauen untersucht, die sich der Inkontinenz-Epidemiologie-Studie von Nord Trondelag in Norwegen angeschlossen hatte. Die Datenbank war mit den Daten des norwegischen Geburtsregisters verbunden. In die Studie eingeschlossen waren Frauen, die einen Fragebogen beantworteten, jünger als 65 Jahre waren, nur vaginal oder nur per Sectio entbunden wurden oder nicht geboren hatten. Die Prävalenz jeglicher Form von Inkontinenz betrug 10,1% in der nulliparen Gruppe, 15,9% in der Sectiogruppe und 21% in der Gruppe mit Vaginalgeburten. Die korrespondierenden Zahlen für mäßige bis schwere Inkontinenz waren 3,7%, 6,2% und 8,7%, diejenigen für reine Stressinkontinez 4,7%, 6,9% und 12,2%. Die entsprechenden Zahlen für Urgeinkontinenz waren 1,6%, 2,2% und 1,8%. Die Untersuchungen zeigen, daß die Häufigkeit von Stressinkontinenz bei Frauen nach Sectio caesarea höher als bei Nulliparen ist. Bei Frauen nach Vaginalgeburt ist die Häufigkeit einer Stressinkontinenz noch häufiger. Die Autoren mahnen allerdings, daß diese Zahlen keinen Rechtfertigung für eine Anhebung der Sectiorate seien.

Literatur

Rortveit G, Daltveit AK, Hannestad YS, Hunskaar S; Norwegian Epidemiology of Incontinence in the County of Nord-Trondelag Study. Urinary incontinence after vaginal delivery or cesarean section. N Engl J Med. 2003 Mar 6;348(10):900-7.

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Gerhard Leyendecker